Blackout in Bad Segeberg? Wie sicher unsere Infrastruktur wirklich ist

Ein großflächiger Stromausfall mitten im Winter: In Berlin-Zehlendorf wurde dieses Szenario vor kurzem bittere Realität. Über 100.000 Menschen saßen vier Tage lang im Dunkeln und in der Kälte. Doch wie gut ist eigentlich Bad Segeberg auf solche Extremsituationen vorbereitet?

Beim jüngsten „Wir für Segeberg-Klönschnackabend“ im neuen Kulturschuppen gab Marco Voß, Geschäftsführer von Energie und Wasser (EWS) Segeberg Wahlstedt, exklusive Einblicke in die Sicherheitslage unserer Region.

Die Lehre aus Berlin: Sicherheit ist kein Zufall

Der Vorfall in Berlin war kein technischer Defekt, sondern ein gezielter Anschlag. Das Problem: Haupt- und Redundanzleitungen verliefen über denselben Mast – ein einzelner Angriffspunkt legte das gesamte System lahm.

Marco Voß machte in seinem Impulsvortrag deutlich, dass ein hundertprozentiger Schutz unmöglich ist. Das Ziel der Versorger ist es stattdessen, die Hürden für Angriffe (physisch wie digital) so hoch wie möglich zu legen. Hierbei greifen verschiedene Sicherheitsmechanismen:

  • KRITIS-Gesetz: Regelt die Notstromversorgung und Priorisierung von Kraftstoffen auf Landesebene.
  • ISMS (Informationssicherheits-Managementsystem): Ein strenges Regelwerk für Cybersecurity und physischen Objektschutz.
  • NIS2-Richtlinie: Eine neue EU-Vorgabe, die Unternehmen zu proaktiver Schwachstellensuche und täglicher Überwachung verpflichtet.

Bad Segeberg im Vergleich: Spitzenwerte bei der Versorgung

Trotz der globalen Zunahme von Cyberangriffen können die Segeberger beruhigt sein. Die Zahlen sprechen für sich:

KennzahlBad Segeberg (2025)Deutschland (Durchschnitt)
Stromausfallzeit pro Kunde0,72 Minuten11,6 Minuten
Trinkwasser-Autarkie48 StundenVariiert stark

Diese hohe Zuverlässigkeit ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von kontinuierlichem Training und einer engen Vernetzung zwischen EWS., der Feuerwehr, dem THW und der Stadtverwaltung.

„Ein lokaler Ausfall in Bad Segeberg ist kein ‚Blackout‘. Dieser Begriff ist überregionalen Katastrophen vorbehalten. Wir arbeiten täglich daran, dass lokale Störungen innerhalb kürzester Zeit behoben sind.“ – Marco Voß


Eigenverantwortung: Was jeder Einzelne tun kann

Auch wenn die Netze stabil sind, appelliert Voß an die Eigenvorsorge. Besonders Gewerbetreibende mit kritischen Prozessen (z. B. Kühlketten für Medikamente oder Lebensmittel) sollten in eigene Notstromaggregate investieren.

Marco Voß empfiehlt auch eigene Vorsorgemaßnahmen zu treffen.

Für Privatpersonen gilt: Ein kleiner Vorrat an Wasser, Batterien und ein abgestimmter Familienplan für den Ernstfall mindern den Stress in einer Ausnahmesituation erheblich.

Fragen aus der Praxis: Was passiert, wenn…?

In der anschließenden Diskussionsrunde wurden auch kritische Themen besprochen:

  • Wärmezentren: Im Falle eines längeren Ausfalls planen die Stadt und der Kreis „Wärmeinseln“ (z. B. in Schulen und im Rathaus), in denen Bürger sich aufwärmen und Handys laden können.
  • Treibstoff-Logistik: Eine organisierte Kette von der Raffinerie bis zu priorisierten Tankstellen sichert die Versorgung der Rettungskräfte und Notstromaggregate. Unternehmen und Privatpersonen sind nachgestellt und gehen ggf. leer aus.
  • Inselbetrieb: Die technische Trennung vom öffentlichen Netz ist bei privaten Aggregaten essenziell, um die Sicherheit der Techniker bei Reparaturarbeiten nicht zu gefährden.

Networking im Kulturschuppen

Nach dem informativen Teil ging der Abend in den gemütlichen Part über. Bei Currywurst und Kaltgetränken nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit, den neuen Kulturschuppen bei Führungen durch Michael Hintz und Edda Fiesinger genauer unter die Lupe zu nehmen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Der Abend zeigte deutlich: Bad Segeberg ist infrastrukturell hervorragend aufgestellt – doch Sicherheit bleibt eine Gemeinschaftsaufgabe von Versorgern, Politik und Bürgern.

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